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Abhalten eines Babys – ein Erfahrungsbericht

Das Abhalten eines Babys stellt für manche in unserer Gesellschaft noch ein Tabuthema dar. Wir sind nicht ganz sicher, warum dies so ist und wollten herausfinden, was es genau mit dem Thema auf sich hat, warum dies noch ein Tabu darstellt und wie der Alltag wirklich aussieht. Wir konnten Mariam als Gastautorin für unseren Blog gewinnen und waren außerordentlich gespannt, wie sie das Thema betrachtet und in ihr tägliches Leben integriert.  

Wer hätte gedacht, dass ich einmal über dieses Thema schreibe, aber nun sind schon sechs Monate vergangen mit meinem zweiten Kind und eine Menge Erfahrungen haben sich angesammelt. Hier möchte ich darüber berichten, weil ich es für wichtig empfinde, über diese diskrete und doch so natürliche Sache zu schreiben, die sich unter den Insidern auch ,,elimination communication‘‘, also die Auscheidungs-Kommunikation schimpft. In unserer westlichen Gesellschaft wird das Abhalten der kleinen Babys sehr kritisch beäugt. Der Alltag mit Babys ist hektisch, das Stillen, die Gewöhnung aneinander, vielleicht gibt es größere Geschwister, die ebenfalls ihre Aufmerksamkeit einfordern, die verschiedenen Vorstellungen der jeweiligen Elternteile, die aufeinanderprallen, die Anforderungen jeglicher Natur von außen, wie man am besten mit dem Baby und späteren Kleinkind umzugehen hat, da bleibt wenig Zeit für solch ein Thema wie Ausscheidung. Vor allem, wenn es doch so wunderbar praktisch ist, dieses Thema ganz einfach mit Wegwerf- oder Stoffwindeln anzugehen und sich weiter keine Gedanken machen zu müssen.

Wunderbar wäre es doch, wenn das Baby schon sehr bald seine Ausscheidung steuern könnte und das auf ganz natürliche Art und Weise. Auch wenn es zunächst für einige unvorstellbar scheint, aber dies ist sogar der Fall. Bereits von Geburt an können die kleinen ihre ganz individuellen Zeichen geben, wenn auch ganz fein und sicherlich auch oft fast unbemerkbar, aber sie können es. Bei meiner ersten Tochter habe ich erst in der 13. Woche gestartet, weil ich meine Zeit für viele andere Themen brauchte, die für mich und uns als Familie vorrangiger waren. Bis dahin hatte meine Tochter schon viele Zeichen gegeben und hatte vielleicht schon fast verlernt, dies zu tun, da man vom 4. Monat sagt, dass in diesem das Kind langsam verlernt, sich zu den Ausscheidungen zu melden und ab dann in die Windel macht. Es hat dann verinnerlicht, dass es keine Zeichen mehr geben muss, auch gut.

Abhalten eines Babys - die ersten Schritte von Mariam

Schließlich habe ich es aber versuchen wollen, meine Kleine abzuhalten, weil ich die Idee der Ausscheidungs-Kommunikation so wunderbar fand. Recht schnell musste ich feststellen, dass meine Tochter zwar das eindeutige Zeichen des an ihrem Ohr reibens wählte, um ihr großes Geschäft anzukündigen, aber auch, dass es eine Menge Arbeit mehr ist, das Kind zu entkleiden, abzuhalten, wieder anzuziehen und das mehrmals am Tag und nicht nur die gewöhnlichen, ohnehin schon vielen 4-8 mal. Schnell lernte ich dazu, dass sich spezielle Kleidung wie split pants, einfach nur lockere panties und Oberteile ohne die gewöhnlichen bodies oder für nachts ein Schlafsack, der unten offen ist als sehr praktisch erweist. Auch die Verwendung eines Asiatöpfchens machte die Sache um einiges leichter, doch ich war schnell frustriert. Es kam hin und wieder vor, dass ich die Zeichen übersah, sie nicht an ihrem Ohr rieb und trotzdem machte oder es schlicht und einfach zu stressig für mich war, sie in einer gerade anstehenden Action wie z. B. dem einkaufen abzuhalten. Ich musste mir viele Forumeinträge durchlesen, um zu merken, dass all diese Fragen und Unsicherheiten normal beim Abhalten sind. Es ist nunmal nicht ganz einfach, ein Baby zu lesen, was sich nicht verbal zu seinen Ausscheidungen äußern kann, daher lies ich die Situationen so sein wie sie waren, in denen es nicht klappte und sah stattdessen diese, welche uns geglückt sind und in denen wir einander blind verstanden haben und bald schon geschah etwas viel Verwunderlicheres. Ich stellte fest, dass es nicht notwendig ist, den ganzen Tag das Baby anzuschauen und nach Zeichen zu suchen. Es entwickelte sich vielmehr eine gewisse Intuition und ein Rhythmus. Natürlich wurde sie schon ganz schnell 6 und 7 und 8 Monate und die Abstände, in denen sie ausscheiden musste, wurden länger. Um den 8. Monat herum war es für mich somit kaum mehr eine Belastung und auch sie hatte ein Vertrauen darin entwickelt, sich melden zu können und verstanden zu werden. Wenn es mal nicht passte, sagte ich ihr das. Entweder sie konnte es noch einhalten und blieb trocken oder eben nicht, auch nicht schlimm. Dies war immer seltener der Fall, vor allem das große Geschäft ging schnell ins Töpfchen als sie sitzen konnte. Das war unheimlich schön zu sehen, dass ihr das Thema Ausscheidung so leicht fiel und sie schon früh ein Gefühl für ihren Körper entwickelt hat.

Mit einem Jahr war sie dann größtenteils trocken. Nur noch nachts haben wir noch ein halbes Jahr Windeln benutzt. Irgendwann wollte sie diese auch nicht mehr zur Sicherheit tragen und das Thema war gegessen.

Hoch motiviert wollte ich beim zweiten Kind das gleiche Erfolgserlebnis haben und direkt von Geburt an in Kommunikation mit meiner kleinen Tochter treten. Durchaus im Klaren darüber, dass das Abhalten gerade in der ersten Zeit eine Herausforderung und Mehrarbeit sein würde, räumte ich diesem Thema besonders viel Zeit und Geduld ein und es hat sich absolut gelohnt. Auch bei Kind Nummer ll stellte sich schnell ein Zeichen (gewisses Drücken und Räuspern) heraus und wir haben uns schnell miteinander verständigen können. Ich habe sie abgehalten beim Stillen, nachdem sie in der Trage oder im Autositz war, nach dem Schlafen und morgens mehrmals, da sind die Abstände sehr kurz. Meine Tochter ist nun 6 Monate und das große Geschäft landet gar nicht mehr in der Windel. An dem Rest arbeiten wir, aber durch Corona und die dauerhafte Anwesenheit beider Kinder zu Hause ist eine gewisse Toleranz unverzichtbar. Und auch meine größere Tochter sieht es mittlerweile sehr gelassen, wenn mal etwas daneben geht oder ich in der Eile das Baby über dem Waschbecken pipi machen lasse anstatt in der Toilette oder im Asiatöpfchen. Sie beginnt sogar selbst manchmal Zeichen zu lesen und zu sagen, wann ihre Schwester pipi muss. Unterwegs sind wir sehr selbstbewusst geworden und haben kein Problem mehr damit, sie am Baum abzuhalten o.ä., da wir merken, dass eher alle erstaunt sind und interessiert nachfragen, wie das funktionieren kann.

Es ist eine tolle Erfahrung, die wir gemeinsam mit unseren Töchtern teilen durften. Es ist auch oftmals schwer gewesen z.B. wenn sie krank waren/sind oder wenn entwicklungsbedingte Schübe an der Reihe waren/sind. Doch auch das ist normal und gehört zum ganzen Prozess dazu. Das schöne ist, dass wir lernen, den anderen in seiner Körpersprache zu sehen und wahrzunehmen. Es ist etwas vollkommen natürliches, seine Bedürfnisse ausdrücken zu wollen, auch das der Ausscheidung, und somit praktizieren es 80% der Weltbevölkerung, vollkommen ohne Backup wie Wegwerfwindel, Stoffwindel oder Trainingshöschen. Es schont die Umwelt und nicht zuletzt hat es einen praktischen Effekt für die Eltern, der sehr schnell zu Tage tritt: das schnelle Trockensein.

Schlußendlich kann ich nur jedem diese Praktik ans Herz legen. Es braucht dafür zwar einiges an anfänglicher Energie, Hintergrundwissen, Vorbereitung und Selbstbewusstsein, aber es lohnt sich für alle Beteiligten und stärkt die Eltern-Kind-Bindung.

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